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SoccerDoc
Sep 20, 2021

Ein „unhappy triad“, der Schreck für jeden Fußballer

In früheren Blogs haben wir bereits über Leisten- und Hamstring-Verletzungen berichtet. Doch wer an Fußballverletzungen denkt, denkt auch schnell an das Knie.  Nach Hamstringverletzungen (17%) treten Knieverletzungen (12,7%) bei Fußballern am häufigsten auf. Das Knie ist ein komplexes Gelenk und es können verschiedene Arten von Verletzungen auftreten.
In früheren Blogs haben wir bereits über Leisten- und Hamstring-Verletzungen berichtet. Doch wer an Fußballverletzungen denkt, denkt auch schnell an das Knie.  Nach Hamstringverletzungen (17%) treten Knieverletzungen (12,7%) bei Fußballern am häufigsten auf. Das Knie ist ein komplexes Gelenk und es können verschiedene Arten von Verletzungen auftreten. So können zum Beispiel traumatische und nicht traumatische Verletzungen unterschieden werden. Wenn wir die epidemiologischen Zahlen betrachten, treten beim Fußball vor allem traumatische Knieverletzungen auf, die von Prellungen (2,3 %) bis zu Rupturen des vorderen Kreuzbands (VKB, 0,9 %) reichen. Letzteres ist die größte Angst jedes Fußballers aufgrund der langen Genesungsdauer (oftmals ca. 9 Monate bis zu einem Jahr). 

Entstehungsmechanismus
Eine VKB-Ruptur entsteht häufig durch ein Valgus-Außenrotationstrauma.  Hierbei steht der Unterschenkel auf dem Boden fixiert, während das Knie einen Valgusmoment durchmacht (siehe untenstehende Fotos). Schon ein kleiner Fehltritt kann zu dieser langwierigen Verletzung führen. So tritt eine VKB-Ruptur am häufigsten bei Nichtkontakt und indirekten Momenten (Kontakt über Körper, aber nicht auf dem Knie) auf. Im Fußballsport ereignet sich ungefähr die Hälfte dieser Verletzungen beim Pressing oder Tackling, 20 % beim getackelt werden, 16 % beim Wiederfinden der Balance nach einem Schuss und nur 7 % beim Landen nach einem Sprung.1

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Das Entstehen einer VKB-Ruptur beim Pressing/Tackling. Aus: Della Villa, et al (2020)

Unhappy triad
Obgleich ein Kreuzbandriss von allen häufig vorkommenden Fußballverletzungen am längsten dauert, hofft man bei jedem Fall, dass kein Nerv geschädigt wird. So kann eine VKB-Ruptur zusammen mit einer Knorpelverletzung, Meniskusverletzungen oder einer Verletzung des medialen und/oder lateralen Kollateralbands auftreten. Eine kombinierte Verletzung des VKB, medialen Kollateralbands und des medialen Meniskus wurde 1950 von O’Donoghue als „unhappy triad“ bezeichnet. Später wurde diese Theorie von anderen Wissenschaftlern angezweifelt, die nachwiesen, dass häufiger eine kombinierte Verletzung des VKB, medialen Kollateralbands und lateralen Meniskus auftritt.2

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Anatomie O’Donoghue unhappy triad. Aus: https://www.amboss.com/us/knowledge/Knee_ligament_injuries/ 

Lässt sich ein unhappy triad verhindern? 
Die einfache Antwort lautet: nein. Allerdings wird in der Literatur eine Reihe von Risikofaktoren genannt, auf die Einfluss genommen werden kann, um das Risiko zu verringern. So gibt es neuromuskuläre Risikofaktoren wie Schwäche der Abduktoren und Außenrotatoren des Hüftgelenks und der Hamstring-Muskulatur. Diese Muskelschwächen sind häufig im Bewegungsmuster zu erkennen. Ein dynamisches Valgus-Knie (zum Beispiel nach einer Landung) ist hierfür kennzeichnend, wie auch oben als Entstehungsmechanismus beschrieben.3

Los geht’s!
Viele präventive Programme sind auf die Stärkung der Muskulatur, wie die Hamstring-Muskulatur, ausgerichtet. Manche dieser Programme sind auch nachweislich effektiv, zum Beispiel das „Knee Control“-Programm.   Dies ist ein 10-15 Minuten umfassendes Programm4 , das aus 6 verschiedenen Übungen besteht (hier anschauen), die in das Warming-up integriert werden können. Die Übungen können auf verschiedenen Niveaus ausgeführt werden. Die Übungen sind auf die Stabilisierung der gesamten Kette (Rumpf, Hüfte und Knie) ausgerichtet, ausgehend von relativ vorhersehbaren und kontrollierten Situationen. Es wird allerdings immer deutlicher, dass präventive Programme effektiver sind, wenn sie auf die Verbesserung muskulärer Schwächen in Kombination mit der Verbesserung von Bewegungsmustern in einem spezifischeren Kontext ausgerichtet sind.5 All dies dient dazu, das dynamische Valgus-Knie zu vermindern und einen Spieler robuster zu machen in Situationen, die dies erfordern. Wichtig hierbei ist, den hohen Anforderungen, die der fußballspezifische Kontext erfordert, genügend Aufmerksamkeit zu widmen. Man denke hierbei an das Stabilisieren des Knies von multidirektionalen Bewegungen aus unter einem hohen Druck und Gleichgewichtsstörungen an anderer Stelle des Körpers. Ergänzende Untersuchungen werden in Zukunft hoffentlich in praktisch anwendbaren Beispielen resultieren. Bis es soweit ist, sind Programme wie das „Knee Control“ ein guter Ausgangspunkt.

1 Della Villa F, Buckthorpe M, Grassi A, et al, Systematic video analysis of ACL injuries in professional male football (soccer): injury mechanisms, situational patterns and biomechanics study on 134 consecutive cases. British Journal of Sports Medicine 2020;54:1423-1432.
2 Shelbourne, K. D., & Nitz, P. A. (1991). The O’Donoghue triad revisited: Combined knee injuries involving anterior cruciate and medial collateral ligament tears. The American Journal of Sports Medicine, 19(5), 474–477. 9
3 Pfeifer, C. E., Beattie, P. F., Sacko, R. S., & Hand, A. (2018). RISK FACTORS ASSOCIATED WITH NON-CONTACT ANTERIOR CRUCIATE LIGAMENT INJURY: A SYSTEMATIC REVIEW. International journal of sports physical therapy, 13(4), 575–587.
4 Waldén M, Atroshi I, Magnusson H, Wagner P, Hägglund M. Prevention of acute knee injuries in adolescent female football players: cluster randomised controlled trial BMJ 2012; 344 :e3042 
5 Dischiavi, S. L., Wright, A. A., Heller, R. A., Love, C. E., Salzman, A. J., Harris, C. A., & Bleakley, C. M. (2021). Do ACL Injury Risk Reduction Exercises Reflect Common Injury Mechanisms? A Scoping Review of Injury Prevention Programs. Sports Health.

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